Erkrankung:
KS / PCD kompakt

 

Allgemeines zu PCD / Kartagener Syndrom
Zahlen
Zilienstruktur und Funktion
Zilienbewegung
Hinweisende Symptome auf KS/PCD
Diagnostik
Häufigste Ultrastrukturdefekte
Effekt von alleinigen Salbutamol-Inhalationen bei PCD
Entwicklung der Lungenfunktion bei PCD
Mögliche Komplikationen
Pulmonale Keimbesiedelung
Allgemeines zur Therapie
Umwelteinflüsse
Impfungen
Hustentechnik und Sekretolyse
Atemgymnastik
Nasenspülung
Inhalationstherapie
Allergologische Therapie
Antibiose - Strategien
O2 - Langzeitgabe
HNO - Bereich
Sonstige mögliche Operationen
weitere therapeutische Möglichkeiten
Psychosoziale Bedeutung
Ärztliche Betreuung im "Normalfall"

 

Allgemeines zu PCD / Kartagener Syndrom

Autosomal - rezessive Erkrankung
Bisher bekannte Genloci liegen auf Chromosomen 5 und 6.
Über 200 krankheitsassoziierte Kandidatengene sind möglich.
Bisher konnten bei 10 - 15 % der untersuchten Patienten Genmutationen beschrieben werden. Häufigkeit der Erkrankung 1 : 16.000 - 20.000
Ein Screening ist nicht in Sicht.

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Zahlen

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Zilienstruktur und Funktion

Jede bronchiale Epithelzelle trägt etwa 200 Zilien mit 5 - 7 um Länge in der Trachea (2 - 3 um in der 7. Generation der Atemwege) und etwa 0,25 - 0,33 um Durchmesser.
10 hoch 9 Zilien pro cm2 im Respirationstrakt.

Ultrastruktur der Zilien mit typischem Querschnitt bei allen Lebewesen und innerhalb eines Individuums : 9 + 2 =
9 periphere Doppelmikrotubuli (Protofilament aus Tubulin alpha und beta, 1 Doppelmikrotubulus besteht aus 23 Protofilamenten , Protofilament A = 13 kreisförmig angeordnete Proteine, B = 10; Tubulin a/b sind globuläre Proteine aus ca. 450 Bausteinen mit einem Durchmesser von 4 nm, einer Länge von 8 nm) und 2 zentrale Mikrotubuli.

Dieses Axonema ist von der Zilienmembran umgeben und in eine zytoplasmatische Matrix eingebettet und durch 4 ordnende Elemente (strukturstabilisierende Radialspeichen zu jedem A Tubulus, Nexin - Verbindungen zwischen den A Tubuli, zentrale Umhüllung um das zentrale Mikrotubuluspaar, Brückenproteine zwischen den 2 zentralen Mikrotubuli) und innere und äußere (4.500 AS, Molekulargewicht 540 kDal) Dyneinarme (= MAP = mikrotubulär assoziierte Proteinstrukturen, Bindungskomponenten des ATP, Hydrolyse) miteinander verbunden.

Schematische Darstellung einer Epithelzelle
Schematische Darstellung der Atemwege
Oberflächentopographie der Bronchien
Schema der Ciliären Disfunktion
Ultrastruktur einer Zilie

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Zilienbewegung

Die energieabhängige (ATP) peitschenartige Bewegung der Zilien besteht aus einer schnellen Aktivphase und einer langsamen Erholungsphase.
Die Koordinierung der engstehenden Zilien geschieht in einer metachronen Phase, so dass eine auswärts gerichtete Förderbewegung aufrechterhalten wird.
Die Zilien schlagen in einer Frequenz von ca. 13 Hz bei Kindern und 11 bis 12 Hz bei Erwachsenen. So entsteht eine Geschwindigkeit der mukoziliären Clearence von 4,5 - 7 mm / Min in der Nase und von 10 - 24 mm / Min in der Trachea und den großen Bronchien.
Innerhalb von 6 - 24 Stunden werden Fremdkörper aus den zilientragenden Atemwegen (16. Generation bis zum Nasenepithel) transportiert.

Schema des Mukustransport
Lateralisationsdefekte
Schema zur Gleitfilamenttheorie
Schema zur Mucociliären Clearance

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Hinweisende Symptome auf KS / PCD

Bei präselektierten Patienten (23 Kinder, 5 Erwachsene) konnte im Universitätsspital Zürich von 1990 - 1998 bei 10 Patienten (ca. 36 % der Fälle) eine PCD nachgewiesen werden. (Holzmann, F. H., Ott, P. M., Felix, H., Diagnostic approach to PCD : a review, Eu J Pediatr 2000, 159, 95-98)

Bei 118 Kindern (2,1 - 7,1 Jahre) mit Infektionen des oberen und / oder unteren Respirationstraktes oder beiden konnte bei 14 % eine abnorme Zilienfunktion und bei 5,6 % eine PCD nachgewiesen werden. (Chapelin, C., Coste, A. et al, Incidence of PCD in Children With Recurrent Respiratory Diseases, Ann Oto Rhinol Laryngol, 1997, 106, 854-858)

Neugeborene / Säuglinge

Kindes- und Jugendalter

Erwachsene

Klinisch sehr verdächtige Symptomkombinationen

Tabelle der klinischen Inzidenz
Tabelle der klinischen Manifestation
Tabelle der klinischen Symptome
Tabelle der Symptomhistorie

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Diagnostik

Diagnosestellung ist in ersten 10 Lebensjahren einfacher, da danach oft schwierige Differenzierung zwischen primärer / sekundärer Ziliendyskinesie.

Aber ca. 35 % der Fälle werden erst im höheren Alter diagnostiziert.

Beginn mit Statuserhebung und dem Ausschluss konkurrierender Ursachen

Basisdiagnostik

Laborparameter
Proceduren:

Spezifische Diagnostik

Immer im infektfreien Intervall

Hinweisend
Beweisend

Und / oder Anlegen einer Zilienkultur, da sekundäre Irritationen bei der TEM damit ausgeschlossen werden können.

oder bei Männern:
Azospermie oder eingeschränkte, bzw. aufgehobene Spermienbeweglichkeit mit Nachweis eines spezifischen Defektes in der Ultrastruktur des Spermienschwanzes

Eine weitere einfache und risikofreie Procedur wird z. Z. klinisch erprobt. Bei positivem Ergebnis kann ab 2005 / 6 mit deren Einführung gerechnet werden.

Schema zur Diagnostik

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Häufigste Ultrastrukturdefekte

Nüßlein, T. G., Griese, N., Nicolai, T.,
Ziliendiagnostik, Monatsschrift Kinderheilkunde 2001, 149, 826-835

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Effekt von alleinigen Salbutamol-Inhalationen bei PCD

Keine signifikanten Unterschiede in der Lungenfunktion bei Verum -/ Plabeo - Gruppe im Untersuchungszeitraum bei PCD - Patienten. Keine Down - Regulierung.

Koh, Y. Y., Park, Y. et al, The Effect of Regular Salbutamol on Lung Function and Bronchial Pesponsiveness in Patients with PCD, Chest 2000, 117(2), 427-433
(r db pc cs, 19 Kinder, 7-16 Jahre, 16 mit Bronchiektasien, 2x100 mg Salb. / Placebo 6 Wochen, 4 Wo wash out, FEV1 vor, nach 3, 6 Wo Inh., Metacholin vor / nach 6 Wo Inh.)

Bei Diagnosestellung haben PCD-Patienten, mittleres Alter 15 Jahre, eine milde bis mäßige obstruktive Ventilationsstörung (VC um 75 %, FEV1 um 63 %, RV um 169 %).
Nach Inhalation von 200 ug Salbutamol verbesserte sich FEV1 um 13 %. Ansonsten in Kindheit und Adoleszenz bei 9 von 11 Patienten weitgehend normale Entwicklung von FEV1 und VC zum Ausgangswert.

Hellinckx, J., Demedts, M., De Boeck, K., PCD : Evolution of Pulmonary Function, Eu J Pediatr 1998, 157, 422-426

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Entwicklung der Lungenfunktion bei PCD

Die Lungenfunktion bei Diagnosestellung im Erwachsenenalter ist schlechter als bei Diagnosestellung im Kindesalter und früh einsetzender Behandlung (FVC 70 vs 85 % , FEV1 59 vs 72 %).
Daher sind frühe Diagnosestellung und adäquate Therapie sehr wichtig, um die absehbare Verschlechterung der Lungenfunktion zu verhindern, bzw. abzumildern.

Ellerman, A., Bisgaard, H., Longitudinal Study of Lung Funktion in a Cohort of PCD, Eur Respir J 1997, 10, 2376-2379
24 Pat., 2 - 16 Jahre, mit adäquater Therapie versus 12 Pat. bei Diagnosestellung adult, ohne regelmäßige Therapie

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Mögliche Komplikationen

Die aufgeführten Folgen treten individuell zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in unterschiedlicher Schwere und Kombination in Abhängigkeit von der Therapieintensität und Dauer auf.

Mögliche pulmonale Krankheitsfolgen

Mögliche sonstige Komplikationen

Mögliche psychosoziale Komplikationen

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Pulmonale Keimbesiedelung

  Bei Bronchiektasien pos. Kulturen 1  BAL bei Diag.stellung 2 
H. influencae 58% 54%
Strept. pneumoniae 21% 38%
Staph. aureus 19%
Ps. aeruginosa 14% selten, nicht mulitresist.
E. coli 10%  
Moraxella catharralis 8%
Strept. viridans 8%

1 Cowan, M. J., Mark, T. et al, Disorders of Ciliary Motility, American Jornal of the Medical Sciences, 2001, 321, 3-10, Department of Critical Care Medicine, NIH, Bethesda, Maryland

2 Ahrens, P., Körbler, H., Primäre ziliäre Dyskinesie, HNO-aktuell, 2002, H. 11/12, 391-400

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Allgemeines zur Therapie

Wegen der geringen Patientenzahlen der einzelnen Ärzte und erst jetzt zunehmendem Interesse der beteiligten Fachdisziplinen gibt es nur wenige therapeutische Studien auf niedrigem Evidenceniveau.

Erfahrungsmedizinische Ansätze, Denken und Handeln in Analogie zur Mukoviszidose / chronischen Bronchitis herrschen vor.

Die Therapie erfordert ein individualisiertes, engagiertes, interdisziplinäres Betreuungsangebot auf der bestmöglichen EBM-Basis.

Die möglichst frühzeitig konsequent und kompetent durchgeführte Therapie erfordert Zeit, Motivation, medizinisches Wissen und psychologisches Einfühlungsvermögen der Eltern, bei Partner/in, bei den Betroffenen und den Betreuern.

Die möglichst frühzeitige Therapie vermeidet und / oder verzögert Komplikationen und ermöglicht den meisten Patienten ein weitgehend alters - und entwicklungsgemäßes Leben und eine normale Lebenserwartung.

Viele Betroffene fallen leider erst dann auf, wenn sich therapeutisch nur schwer beeinflussbare u/o irreversible Folgeerkrankungen entwickelt haben.

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Umwelteinflüsse

Meiden von aktiven / passivem Rauchen, Ultrafeinstäuben, Ozon. Leben in trockenen Wohnungen.

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Impfungen

Alle offiziell (STIKO) empfohlenen Impfungen plus Strept. pneumoniae und gegen Influencae

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Hustentechnik und Sekretolyse

Eine suffiziente Husten- und Schnupftechnik soll erlernt und praktiziert werden

Lungensekret ist normal flüssig. Es kann bei entsprechender Therapie ausreichend mobilisiet werden

Täglich Pariboy-Inhalationen (möglichst mit Mundstück) mit 3 - 4 x 2 ml 0,9 % NaCl-Lösung, viel Trinken

ACC in alters- und gewichtsentsprechender Dosis

Evtl. Pulmozyme - Inhalation obere / untere Atemwege

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Atemgymnastik

Täglich intensive alters- und schweregradentsprechende AG
möglichst mit autogener Drainage, RC - Cornet oder VPR 1 - Flutter

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Nasenspülung

Täglich Spülungen eines jeden Nasenloches mit ca. 125 ml Emser Salz - Lösung oder Inhalationen mit Pari - Sinus

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Inhalationstherapie

Bekannte antiinflammatorische u/o antiobstruktive Medikamente (z. B. Symbicort TH, Viani Diskus)

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Allergologische Therapie

Bekannte antiallergische topische u/o systemische Medikamente, s. c. Hyposensibilisierung, Sanierungen

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Antibiose - Strategien

Bei akuten Exazerbationen symptomadäquate 14 tägige orale oder i. v. Antibiose in alters- und gewichtsgerechter Dosis, möglichst nach Antibiogramm

Bei rez. Pneumonien/Bronchitiden/Otitiden antibiotische Dauerprophylaxe mit Wechsel alle 6 Monate (z. B. mit Bactrim / Zithromax, Amoxypen / Cefaclor oder Erythromycin in jeweils ½ Tagesdosis 1 x abends).

Evtl. im Sommer Auslassversuch bei Beschwerdefreiheit. Bei beobachteter Verschlechterung wieder Dauerprophylaxe.

Bei Pseudomonas aeruginosa-Nachweis im Sputum
Colistin - Inhalationen, evtl. regelmäßige 14 tägige i. v. 2-fach - Antibiose alle 3 - 4 Monate. Gentamycin/Gernebcin wg.potentieller Ototoxität nur mit suffizientem Drugmonitoring oder ganz ersetzen

Bei rez. purulenter Otorhoe (gehäuft sog. Pseudomonas - Ohr) lokale Antibiose mit antibiotikahaltigen Augentropfen gemäß Antibiogramm, z. B. Kanamytrex, Ciloxan oder Floxal, ggfs. anfänglich kombiniert mit Spülungen mit 1% Wasserstoffperoxid -Lsg., evtl. plus systemische Antibiose

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O2 - Langzeitgabe

Adäquate O2 - Applikation nachts oder ganztags bei entsprechender Krankheitsschwere

Entsprechende medikamentöse Therapie gegen Rechtsherzhypertrophie / Cor pulmonale

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HNO - Bereich

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Sonstige mögliche Operationen

88 % der Patienten mit lungenrelevantem primären / sekundären GÖR können so geheilt werden, 10 % erfahren keine Verbesserung, 2 % eine Verschlechterung

Ahrends, P., Heller, K. et al, Antireflux Surgery in Children Suffering From Reflux-Associated Respiratory Diseases, Pediatric Pulmology 1999, 28, 89-93
128 Pat. von 196 Antireflux-Op's, 1992-1995, retrospektiv, Universitätsklinikum Frankfurt a. M.

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Weitere therapeutische Möglichkeiten

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Psychosoziale Betreuung

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Ärztliche Betreuung im "Normalfall"

Je nach individueller Situation und Krankheitsschwere

Ein interessierter Kinder - und Jugendarzt / Haus-/Lungenfacharzt oder Internist und HNO-Arzt vor Ort für die Probleme des Alltags in Kooperation mit einer spezialisierten Klinikambulanz

Alle 3 - 6 Monate

Vorstellung bei einem interdisziplinär arbeitendem Team in einer Klinik - Ambulanz / Praxis mit KS / PCD - Erfahrung und erweiterten diagnostischen / therapeutischen Möglichkeiten

Jährlich zusätzlich

 

vorgelegt anlässlich des PCD - Workshops in Bochum am 11. September 2003

Dr. med. Horst Seithe
Klinik für Kinder und Jugendliche
am Klinikum Nürnberg Süd
Breslauerstraße 201
90471 Nürnberg

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